Das Symbol der Camaldolenser

Wandgemälde im Kloster Fonte Avellana

Hintergrund und Bedeutung des Symbols der Camaldolenser

 

Das Symbol taucht schon in frühester Zeit der Camaldolenser auf; und zwar im 13. Jh. seit Martino (gest. 1248) Generalprior der Camaldolenser gewesen war.

         Die früheste überlieferte Interpretation des camaldolensischen Symbols geht auf Agostino Fortunio (1575) zurück. Er sieht es im Zusammenhang mit der Vision des Hl. Romuald, in der er in Ekstase den geistlichen Sinn der Schrift versteht (Kap. 31 der Vita). Fortunio führt der klassischen Vision hinzu, dass dem Hl. Romuald zwei Tauben vor Augen treten, die beide aus dem Kelch Christi trinken.

         Der Stern, von dem aus der Schweif bis an den Rand des Kelches reicht, symbolisiert Christus selbst. Die beiden Tauben stehen hier für die Reinheit des Herzens und die Einfachheit.

         Im 18. Jh. interpretiert Ridograndi, Mönch von St. Michele di Murano, die beiden Tauben in Bezug auf die zönobitische und eremitische Form des Mönchtums. Im Hintergrund stehen die zönobitische Kongregation von Murano und die camaldolensische Kongregation der Eremiten der Toskana, die beide, vereint durch die eine Quelle - das Blut Christi - aus dem einen Kelch trinken.

         Beide, Fortunio und Ridogrnadi, führen das Symbol auf den Hl. Romuald selbst zurück, was historisch aber recht fragwürdig ist.

         Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die beiden Tauben ursprünglich Pfauen gewesen waren, die als Zeichen der Unsterblichkeit der Seele galten, und erst später von zwei Tauben ersetzt wurden; vielleicht sogar im Zusammenhang mit der Darstellung der beiden Tauben im Mausoleum von Pelagia in Ravenna, die ebenso aus einem Kelch trinken.

         Der lateinische Schriftzug ‚ego vobis – vos mihi‘ (ich für euch – ihr für mich), der das Symbol umgibt, steht für die Verbundenheit im Gebet aus dem ‚Einen Geist‘ unter den Brüdern, die zönobitisch und eremitisch leben, und ist zugleich ein schöner Ausdruck des geistlichen Prinzips der Gegenseitigkeit, in der der Kreis erst rund, bzw. vollkommen wird.   

 

         (nach: Ubaldo Cortoni OSB Cam, Sigilla et insigna eremi et ordinis Camalduli appunti per una storia dello stemma camaldolese)